Ist der Stromverbrauch wirklich ein ungeeigneter Maßstab?Es gibt gute Gründe, die für den "Stromverbrauch" als Abfrage sprechenGrundsätzlich können wir Ihrer Argumentation folgen, daß man für den Stromverbauch der Straßenbeleuchtung eine Vergleichsgröße - in Ihrem Vorschlag die Anzahl der Leuchten - heranziehen kann, um damit einen "Effizienzindikator" im Hinblick auf die Straßenbeleuchtung zu bilden.
Zwei wesentliche Einwände haben wir allerdings gegenüber Ihrer Argumentation:
1)
Das erste Argument ist rein organisatorisch-technischer Natur, denn Sie müssen sich im Klaren sein, dass viele Kommunen nicht so detailliert wie Sie über die Anzahl der Leuchten auf ihrem Stadt- oder Gemeindegebiet verfügen.
Es gibt z.B. kleinere Kommunen, die das Straßenbeleuchtungsnetz vom Energieversorgungsunternehmen gemietet haben und deren Abrechnung über Lichtpunkte und nicht über die einzelnen Leuchten erfolgt.
Insofern ist der Vergleich des Stromverbrauchs nach dürchgeführten Effizienzmaßnahmen für diese Kommunen sehr wohl ein Indiz für die Effizienz des (teil-)erneuerten Straßenbeleuchtungssystems.
Wenn viele Kommunen, die am Wettbewerb teilnehmen, nicht über die Anzahl der Leuchten in ihrem Straßenbeleuchtungsnetz verfügen, so können sie folglich auch nicht den von Ihnen oben vorgeschlagenen "Effizienzindikator" bilden. Das wäre eine unzulässige Benachteiligung von Wettbewerbsteilnehmern, die aller Wahrscheinlichkeit nach eher die Stromverbrauchsdaten ihrer Straßenbeleuchtung zur Verfügung haben.
U.a. aus diesem Grund erscheint uns der Stromverbrauch nach wie vor eine geeignete Abfrage.
2)
Auch wenn die Effizienz der Einzelleuchte steigen mag, so sind mit steigender Leuchtenzahl ein insgesamt höherer Stromverbrauch und damit auch höhere Treibhausgasemissionen - insbesondere im deutschen Strommix mit hohem Kohleanteil auf der Erzeugungsseite - verbunden.
Schließlich bewerten wir ja mit unseren Fragestellungen direkt oder indirekt die Treibhausgasemissionen, die mit kommunalen Aktivitäten verbunden sind.
Und in der Gesamtbetrachtung steigen diese potenziell mit der Steigerung der Leuchtenanzahl in der Straßenbeleuchtung an. Das ist ja gerade dann relevant, wenn der Bestand vollständig optimiert wurde. Und beim CO2-Ausstoß sind nun mal die absoluten Werte entscheidend und nicht der relative Vergleich.
Dieser Aspekt steht insofern in direkter Verbindung mit der Frage 5.4 - der kommunalen Siedlungsdichte.
Es steht außer Zweifel, dass Städte nach wie vor wachsen, aber die Art der Entwicklung kann von der Kommune gesteuert werden. Wenn der Außenentwicklung der Kommune gegenüber der Innenentwicklung der Vorzug gegeben wird, entstehen vermehrt neue Straßenzüge mit neuen Leuchten, die die Einsparung durch Optimierung der bestehenden Beleuchtung wieder zunichte machen können. Insofern ist für den Klimaschutz absolut gesehen nichts gewonnen und insofern ist der absolute Stromverbauch der Straßenbeleuchtung auch die aus unserer Sicht passende abgefragte Größe, um zu dokumentieren, ob tatsächliche Einsparungen und damit eine Entlastung bei der Emission von Treibhausgasen erzielt werden konnte.
Mit der von Ihnen aufgeworfenen Fragestellung wird der Zusammenhang von Siedlungsentwicklung und kommunalem Klimaschutz sehr anschaulich.
Eine Bregrenzung des Flächenzuwachses steht folglich in direkter Verbindung mit dem Klimaschutz und Kommunen haben mit intelligenter Innenentwicklung die Chance, Klimaschutz zu betreiben.
Die Angaben aus Ihrem Beispiel sind ein klassischer Beleg dafür, dass Effizienzverbesserung nicht automatisch zur Verbrauchsreduktion führt. Vielmehr werden wie auch im Verkehrssektor oft zu beobachten die Effiziengewinne durch Mengeneffekte (Mehr Siedlungsfläche und damit mehr Leuchten) zunichte gemacht.Vielfältige Anregungen zur systematischen Innenentwicklung finden Kommunen im Internet auf der Projektseite "REFINA" (Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement) des BMBF u.a. unter
http://www.refina-info.de/refina-veroef ... echenpost/